Thema: September 09
15. September 09
Hallo alle!
Meine zweite Woche Uni hat heute angefangen und das Chaos nimmt doch noch kein Ende. Da dachte ich, nach einer Woche wäre alles geregelt, ich weiß immer wo ich hin muss und wann es losgeht, doch nun stehen wir oder besser die anderen Studenten im vierten Jahrgang vor dem Problem, dass anscheinend Montag nachmittag zwei Kurse zeitgleich stattfinden und beide Institute ihr Fach am Bedeutensten finden und nicht von dieser Zeit weichen wollen. Welcome to Hungary...
Aber zu meinem Studentenleben etwas später. Erstmal wollte ich noch etwas genauer von meinen ersten drei Wochen Sprachkurs erzählen, oder besser vom Kulturprogramm dazwischen.
Die Organisatoren haben sich wirklich alle Mühe gegeben, uns eine Menge 'Budapest' zu bieten. Ging auch gleich am Montag los mit Budapest-Hunting, vier von den Mentoren haben sich in der ganzen Stadt verteilt und wir mussten sie finden ausgestattet mit einen Stadtplan, Da hieß es natürlich gleich mal mit den Gepflogenheiten der öffentlichen Verkehrsmittel vertraut werden und eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, in welcher Himmelsrichtung man sich ungefähr befinden könnte. An den Treffpunkten mussten dann immer kleine Aufgaben erledigt werden, wie bestimmte Fotomotive finden, Leute im Bahnhof um ihr gelöstes Ticket bitten und möglichst viele 'Kilometer' sammeln, oder aber auch den besten und günstigsten Schnaps finden in möglichst kurzer Zeit. Und trinken natürlich auch. Ebenfalls sehr ungarisch.
Tags darauf waren wir in Buda und haben den Burgpalast besichtigt, für mich bis jetzt die schönste Sehenswürdigkeit in Budapest. Er dient als königliche Residenz, ist das höchstgelegenste Gebäude in der Stadt, womit man von oben natürlich eine wunderbare Aussicht hat (siehe Titelfoto) und das komplette Gelände bildet auf der Budaseite seinen eigenen Bezirk. Zudem beherbergt es zum Beispiel die Nationalgalerie und ist eine beliebte Location für verschiedene Veranstaltungen, wie dem Weinfestival, von dem ich in einem der nächsten Berichte etwas schreiben werde.
Buda-Castle: Nadine (links), ich, Nils, Patricia (wie gesagt, wir waren viel Deutsche im Sprachkurs ;))

Szecheni lanchid (Kettenbrücke)
Museen haben wir natürlich auch viele besucht, wie z.B. das National Museum, Palace of Arts, Museum of Fine Arts und das Terror Háza Múzeum. Dieses Gebäude diente von 1937 an der nationalsozialistischen Pfeilkreuzlerpartei als Sitz und Gefängnis, nach 1945 wurde es zum Hauptquartier und Gefängnis des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes, viele Menschen wurden hier während der kommunistischen Diktatur in Ungarn verfolgt, gequält und getötet. Faschismus und Kommunismus an einem Ort, war auf jeden Fall sehr beeindruckend.
Terror Háza Múzeum an der Andrássy út

Beim Parlament waren wir auch.
Nora, Verena (deutsch), Kasia (Polen), ich, Hanna (Finnland)
Ausflüge ins Grüne gab es natürlich ebenso, wie z.B. auf die Margitsziget, obwohl man das nicht wirklich als 'Ausflug' bezeichnen kann, denn die Margareteninsel, befindet sich genau im Zentrum der Stadt auf der Donau zwischen den zwei Stadthälften Buda und Pest. Sozusagen eine riesengroße Parkanlage, es gibt eine riesengroße Schwimmhalle und -freibad, Fußballplatz, Ruinen eines Klosters und ansonsten nur Wiese, abgesehen von Bussen und Fahrrädern sind Fahrzeuge verboten. Ein super Ort zum chillen, oder auf deutsch 'ausruhen' ;)
Margit sziget im Grünen
In punkto Cafés und Bars gibt es hier in Budapest im Sommer etwas ganz Besonderes: kertek, auf deutsch Gärten. Es handelt sich um Kneipen, die jedes Jahr nach Ostern in Abbruchhäusern oder alten Fabriken ihre Türen öffnen, junge Künstler hängen ihre Bilder an die Wände, die Einrichtung wird zusammengewürfelt aus Spermmüll-Sofas und Gartenklappstühlen, über den Tischen hängen selbstgebaste Lampions, auf kleinen Bühnen spielen Nachwuchsbands und es wird ungarisches Bier serviert. Natürlich läuft das größtenteils auf illegaler Basis und ab September werden die Zelte wieder eingezogen und im nächsten Jahr an einem Ort aufzuschlagen. Es gibt keine Flyer oder Hinweisschilder, man kann sie nur finden, wenn man schon da war oder durch die Stadt schländert und sich durch offene Türen in die Hinterhöfe von alten Häusern traut, aus denen Musik tönt.
Einige dieser kertek haben sich inzwischen auch schon etabliert, Mietverträge geschlossen und überwintern sogar. Ein beliebter Treff für Studenten, ich jedenfalls bin ganz vernarrt in diese schöne Hinterhof-Atmosphäre...

Abend im 'Instant'
Ein schöner Tag in den Wochen war ebenso der 20. August, ungarischer Nationalfeiertag, Sankt Istvan, Fest des Staatsgründers und ersten ungarischen Königs. An dem Tag fand in der Stadt das RedBull Air Race statt, die Strecke verlief auf der Donau zwischen der Margit hid und der Szecheni lanchid. Ich war leider nur kurz da, aber das was ich sehen durfte... totally crazy!
Am Abend gab es dann noch ein Feiertags-Feuerwerk, ausgerichtet an einem südlicheren Teil der Donau zwischen zwei Brücken. Hab noch nicht viele gesehen, aber zumindest ich hab noch kein Besseres anschauen dürfen (die Besucher der Pyronale unter euch werden mir da vielleicht widersprechen ;)). Mal abgesehen von einer Gruppe kleiner Mädchen, bei jedem großen Rums und Licht, also alle 30sec, alles um uns zusammengekreischt haben wie am Spieß, man fühlte sich wie auf einem TokioHotel-Konzert. Sie hatten auch tatsächlich extra eine große Flasche Wasser dabei, damit ihnen auch gar nicht die Stimme abhanden kommt. Oje oje.
Alles in allem wunderbare, erfüllte Wochen, die ich nicht missen möchte. Und dass man gleich viele nette und interessante Leute kennengelernt hat, die man noch die ganze Zeit in Budapest antreffen kann, machte das ganze noch besser :)
So, das war jetzt genug Text und Kultur für heute. Bis zum nächsten Bericht!
Viszlat!
Eure Katrin ^^
Meine zweite Woche Uni hat heute angefangen und das Chaos nimmt doch noch kein Ende. Da dachte ich, nach einer Woche wäre alles geregelt, ich weiß immer wo ich hin muss und wann es losgeht, doch nun stehen wir oder besser die anderen Studenten im vierten Jahrgang vor dem Problem, dass anscheinend Montag nachmittag zwei Kurse zeitgleich stattfinden und beide Institute ihr Fach am Bedeutensten finden und nicht von dieser Zeit weichen wollen. Welcome to Hungary...
Aber zu meinem Studentenleben etwas später. Erstmal wollte ich noch etwas genauer von meinen ersten drei Wochen Sprachkurs erzählen, oder besser vom Kulturprogramm dazwischen.
Die Organisatoren haben sich wirklich alle Mühe gegeben, uns eine Menge 'Budapest' zu bieten. Ging auch gleich am Montag los mit Budapest-Hunting, vier von den Mentoren haben sich in der ganzen Stadt verteilt und wir mussten sie finden ausgestattet mit einen Stadtplan, Da hieß es natürlich gleich mal mit den Gepflogenheiten der öffentlichen Verkehrsmittel vertraut werden und eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, in welcher Himmelsrichtung man sich ungefähr befinden könnte. An den Treffpunkten mussten dann immer kleine Aufgaben erledigt werden, wie bestimmte Fotomotive finden, Leute im Bahnhof um ihr gelöstes Ticket bitten und möglichst viele 'Kilometer' sammeln, oder aber auch den besten und günstigsten Schnaps finden in möglichst kurzer Zeit. Und trinken natürlich auch. Ebenfalls sehr ungarisch.
Tags darauf waren wir in Buda und haben den Burgpalast besichtigt, für mich bis jetzt die schönste Sehenswürdigkeit in Budapest. Er dient als königliche Residenz, ist das höchstgelegenste Gebäude in der Stadt, womit man von oben natürlich eine wunderbare Aussicht hat (siehe Titelfoto) und das komplette Gelände bildet auf der Budaseite seinen eigenen Bezirk. Zudem beherbergt es zum Beispiel die Nationalgalerie und ist eine beliebte Location für verschiedene Veranstaltungen, wie dem Weinfestival, von dem ich in einem der nächsten Berichte etwas schreiben werde.
Buda-Castle: Nadine (links), ich, Nils, Patricia (wie gesagt, wir waren viel Deutsche im Sprachkurs ;))

Szecheni lanchid (Kettenbrücke)
Museen haben wir natürlich auch viele besucht, wie z.B. das National Museum, Palace of Arts, Museum of Fine Arts und das Terror Háza Múzeum. Dieses Gebäude diente von 1937 an der nationalsozialistischen Pfeilkreuzlerpartei als Sitz und Gefängnis, nach 1945 wurde es zum Hauptquartier und Gefängnis des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes, viele Menschen wurden hier während der kommunistischen Diktatur in Ungarn verfolgt, gequält und getötet. Faschismus und Kommunismus an einem Ort, war auf jeden Fall sehr beeindruckend.
Terror Háza Múzeum an der Andrássy út

Beim Parlament waren wir auch.
Nora, Verena (deutsch), Kasia (Polen), ich, Hanna (Finnland)
Ausflüge ins Grüne gab es natürlich ebenso, wie z.B. auf die Margitsziget, obwohl man das nicht wirklich als 'Ausflug' bezeichnen kann, denn die Margareteninsel, befindet sich genau im Zentrum der Stadt auf der Donau zwischen den zwei Stadthälften Buda und Pest. Sozusagen eine riesengroße Parkanlage, es gibt eine riesengroße Schwimmhalle und -freibad, Fußballplatz, Ruinen eines Klosters und ansonsten nur Wiese, abgesehen von Bussen und Fahrrädern sind Fahrzeuge verboten. Ein super Ort zum chillen, oder auf deutsch 'ausruhen' ;)
Margit sziget im Grünen
In punkto Cafés und Bars gibt es hier in Budapest im Sommer etwas ganz Besonderes: kertek, auf deutsch Gärten. Es handelt sich um Kneipen, die jedes Jahr nach Ostern in Abbruchhäusern oder alten Fabriken ihre Türen öffnen, junge Künstler hängen ihre Bilder an die Wände, die Einrichtung wird zusammengewürfelt aus Spermmüll-Sofas und Gartenklappstühlen, über den Tischen hängen selbstgebaste Lampions, auf kleinen Bühnen spielen Nachwuchsbands und es wird ungarisches Bier serviert. Natürlich läuft das größtenteils auf illegaler Basis und ab September werden die Zelte wieder eingezogen und im nächsten Jahr an einem Ort aufzuschlagen. Es gibt keine Flyer oder Hinweisschilder, man kann sie nur finden, wenn man schon da war oder durch die Stadt schländert und sich durch offene Türen in die Hinterhöfe von alten Häusern traut, aus denen Musik tönt.
Einige dieser kertek haben sich inzwischen auch schon etabliert, Mietverträge geschlossen und überwintern sogar. Ein beliebter Treff für Studenten, ich jedenfalls bin ganz vernarrt in diese schöne Hinterhof-Atmosphäre...

Abend im 'Instant'
Ein schöner Tag in den Wochen war ebenso der 20. August, ungarischer Nationalfeiertag, Sankt Istvan, Fest des Staatsgründers und ersten ungarischen Königs. An dem Tag fand in der Stadt das RedBull Air Race statt, die Strecke verlief auf der Donau zwischen der Margit hid und der Szecheni lanchid. Ich war leider nur kurz da, aber das was ich sehen durfte... totally crazy!
Am Abend gab es dann noch ein Feiertags-Feuerwerk, ausgerichtet an einem südlicheren Teil der Donau zwischen zwei Brücken. Hab noch nicht viele gesehen, aber zumindest ich hab noch kein Besseres anschauen dürfen (die Besucher der Pyronale unter euch werden mir da vielleicht widersprechen ;)). Mal abgesehen von einer Gruppe kleiner Mädchen, bei jedem großen Rums und Licht, also alle 30sec, alles um uns zusammengekreischt haben wie am Spieß, man fühlte sich wie auf einem TokioHotel-Konzert. Sie hatten auch tatsächlich extra eine große Flasche Wasser dabei, damit ihnen auch gar nicht die Stimme abhanden kommt. Oje oje.
Alles in allem wunderbare, erfüllte Wochen, die ich nicht missen möchte. Und dass man gleich viele nette und interessante Leute kennengelernt hat, die man noch die ganze Zeit in Budapest antreffen kann, machte das ganze noch besser :)
So, das war jetzt genug Text und Kultur für heute. Bis zum nächsten Bericht!
Viszlat!
Eure Katrin ^^
