Thema: Januar 10
Sziastok!

Dorfleben und Stadttreiben, Zug- und Busfahrten, Kuchen, Tee und heiße Schokolade, köstlicher Wein, besondere Bekanntschaften, eine Menge Gastfreundschaft, viel "nur ungarisch", Schnee und Sonnenschein... Das alles fasst wohl am Besten meine letzte Woche zusammen, in der ich mit einer Freundin durch das nördliche und östliche Ungarn gereist bin. Ein schöner Trip, an den ich mich gern zurückerinnern werde und der auch eigentlich noch nicht vorbei ist...



GYÖNGYÖS
Eigentlich hat unser Trip sehr spontan angefangen, am Samstag vor knapp zwei Wochen haben ein paar Freunde von uns einen Ausflug zu einem nahe gelegen Berg geplant, mit Wanderung und Weinverkostung ;) Da dies auch genau die Richtung war, in die wir wollten, haben wir uns kurzerhand entschlossen, die anderen zu begleiten und dann gleich weiterzureisen. Also waren wir beiden dann mit unseren Reiserucksäcken - die wir zum Glück in dem Ort am Busbahnhof lassen konnten - früh am Morgen am Bahnhof und dann ging es schon los!
Unsere Gruppe bestand aus einer bunten Mischung aus Deutschen, einem Österreicher, Französin, einem Student aus Israel und was am Besten war, ein Ungar war auch dabei. Durch ihn konnten wir nämlich die Einheimischen gut nach dem Weg fragen ode nach dem besten Weinkeller, wir haben sogar die Erlaubnis von einem älteren Herren bekommen, einmal eine kleine Abkürzung über sein Weintraubenfeld zu nehmen. Er war sehr begeistert von unserer 'Internationalität' ;)
Den Sárhegy zu besteigen war ein sehr schönes Erlebnis, wir haben uns anfangs noch an die Wege gehalten, sind dann aber auch tatsächlich in unberührter Natur gelandet und haben sogar eine Hirschfamilie zu Gesicht bekommen, an der wir uns dann leise vorbeigeschlichen haben. Oben angekommen konnten wir dann ganz die Aussicht vom Gipfel genießen und den Blick über die Stadt und die riesengroßen Traubenfelder schweifen lassen. Noch dazu hatten wir an diesem Tag mehr als Glück mit dem Wetter und es strahlte seit langem mal wieder der Sonnenschein vom Himmel, also alles sehr gelungen!


im Zug nach Gyöngyös




der Aufstieg


'Abkürzung'


















wieder unten :)


Nach dem Abstieg begleiteten wir die anderen noch in den ersten Weinkeller, bis wir uns dann am Nachmittag schon verabschiedeten und unsere Reise zu zweit dann endlich losgehen sollte! Da es in diesem kleinen Örtchen natürlich schwer war, eine Unterkunft zu finden, ging es nun mit dem Bus weiter Richung Nordosten.

EGER
Auch wenn diese Stadt ein wenig größer ist als die vorherige, eine 'Couch' haben wir hier leider nicht gefunden, also suchten wir uns für die nächsten zwei Nächte ein Gastzimmer, da es Nebensaison war, konnten wir den Preis gut runterhandeln und die Ausgaben hielten sich in Grenzen.
Am Samstag abend erkundeten wir noch die Gegend, suchten das für uns beste Restaurant und genossen die hell erleuchtete Innenstadt bei Nacht. Die Stadt ist eine der Ältesten in Ungarn und besonders durch ihre großen Weinanbaugebiete in der Umgebung sowie ihrem 'Stierblutwein', dem Egri Bikavér, bekannt. Eine wunderschöne Ortschaft, die uns schon von vielen empholen wurde und, ich muss sagen, einer der schönsten Ziele auf unserer Reise.

Am nächsten Morgen schafften wir es gerade noch so auf den Markt, der um 10Uhr schloss, es war ja schließlich Sonntag. Doch so hatten wir einen Grund aufzustehen und gleich noch frisches Obst zum Frühstück. Auch an diesem Tag - wie übrigens fast die gesamte Woche - begrüßte uns ein klarer blauer Himmel mit Sonnenschein. Wir Glückspilze! Nun am Tag ging die Stadterkundung natürllich weiter, wir schlenderten durch die Straßen und kleinen Gassen und suchten uns schonmal die beste Konditorei für später aus, wir besuchten die Basilika, den Dobó István tér, das Marzipanmuseum und das Minarett von Eger als Überbleibsel der türkischen Besatzung, von der Burg konnten wir den gesamten Ort überblicken.


Basilika in Eger












Dobó István tér


Burg Eger




Minarett mit uns ;)


Pralinenkauf beim Marzipanmuseum


Abends ging es dann ein wenig ausserhalb zum Szépasszony-völgy, dem 'Tal der schönen Frauen', einem großen Weinkellergebiet mit mindestens 200 Gaststätten, viele der Restaurants sind in die Steinwände des Hügels eingebaut und man findet hier einns neben dem andern. Nur leider sind wir ja nun mal in der totalen Nebensaison gefahren, noch dazu war es Sonntag abend, also waren fast alle geschlossen :( Trotzdem haben wir einen schönen Weinkeller gefunden und hatten dort mit der Besitzerin eine Menge Spaß, mit der wir in einer Mischung aus englisch, deutsch und ungarisch kommuniziert haben und - mit ihr zusammen ;) - einen großen Teil ihres Weinsortiments direkt von der Gegend verköstigt haben, ein wahrer Genuss!


Weinkeller 'No 2'


fehér...


... és vörös bor


spät am Abend ^^


MISKOLC UND LILLAFÜRED
Am nächsten Morgen ging es nach einem schönen Geburtstagsfrühstück mit von Verena gebackenem Schokoladen-Bananen-Kuchen zurück zum Busbahnhof und auf in die nächste Stadt. Miskolc liegt an den Ostausläufern des Bükk-Gebirges und ist die drittgrößte Stadt in Ungarn. Da ja nun aber (glücklicherweise ;)) Budapest das Zentrum allen Geschehens in Ungarn ist, zeigt sich die Stadt verhältnismäßig klein. Dafür kann man jedoch von ihr aus viele interessante Ausflugsziele in der Umgebung erreichen.


Frühstück :)


im Bus nach Miskolc


Glücklicherweise konnten wir dort endlich jemanden zum Übernachten finden und kamen zum ersten Mal auf unserer Reise in engen Kontakt zur bemerkennstwerten ungarischen Gastfreundlichkeit. Wir wurden von Anita zu allererst auf einen Kaffee eingeladen, bei ihr zuhause warteten schon bald Tee und selbstgebackener Kuchen auf uns, selbst um Mittenacht fragte sie nach, ob wir denn nicht noch hungrig wären, zum Frühstück gab es leckere überbackene Brötchen sowie selbstgemachtes Brot mit einheimischer Marmelade. Zudem versorgte sie uns mit den besten Informationen über die schönsten Kaffeehäuser und versteckte Weinkeller in Miskolc. EInfach toll! Uns so hatten wir auf jeden Fall die nächsten zwei Abende eine Menge Spaß, durch die kleine Stadt zu streifen und in verborgenen Ecken und Hinterhöfen auf Leckereien jeglicher Art zu stoßen :)


Miskolc bei Nacht




Kaffee und Strudel


im versteckteckten 'pincer'


Am Besten war gleich am ersten Tag ein kleines Kávézó, was wir beim Spaziergang entdeckten. Ursprünglich sahen wir erstmal nur kurz von draussen herein und entschieden uns, an dem Abend auf jeden Fall noch einmal wiederzukommen. Doch als wir auf einmal von drinnen hereingewunken wurden, konnten wir nicht widerstehen :) Wir lernten dort kennen den Besitzer, ein lustiger bärtiger Ungar, der Mathematikprofessor, Goldschmied und Cafébesitzer zugleich war; einen Architekten aus Transilvanien, der im Rollstuhl sitzt und die Welt bereist, seine Fotos schmückten mitunter das kleine Café und er hat uns eine Menge spannender, überraschender, lustiger, teilweise gefährlicher Geschichten zu erzählen gehabt, ein sehr interessanter Mensch; und zudem seine Mitbewohnerin, ein junges Mädchen aus Deutschland, das in Miskolc ein Jahr FreiwilligenDienst absolviert und an einer christlichen Schule Deutschunterricht gibt, sie konnte uns noch ein bisschen mehr über die Ungarn und die ungarische Sprache berichten und was sie schon erlebt hat, da Verena ebenfalls nach der Schule ein Jahr mit diesem Programm in Estland war, hatten die beiden eine Menge zu erzählen. Da Schönste dort war allerdings, dass uns dort die 'beste heiße Schokolade der Welt' serviert wurde, ich meine zu sagen, es stimmte, sie war hervorragend gut :)

Dienstag morgen sind wir dann mal ein bisschen raus, die Sonne scheinte natürlich immer noch wie für uns gemacht und wir fuhren Richtung Bükk-Gebirge nach Lillafüred, einem kleinen Ort westlich von Miskolc. Wir besuchten dort eine der tiefsten Höhlen des Landes, die István-Höhle, und bekamen dort sozusagen fast eine Privatführung, außer uns nahmen dort noch eine deutsch-ungarische Familie daran teil und die Frau kam aus Eger und war zweisprachig, dadurch haben wir eine perfekte Übersetzung gehabt. Danach haben wir einfach die schöne Natur genossen, es war zwar klirrend kalt dort oben, aber die Aussicht vom Hügel zur Stadt, die schneebedeckten Berge ringsherum und der große See, der sich zwischen den Bergen erstreckte machten es wieder wet. Und trotzdem haben wir draussen sogar ein kleines Picknick zu uns genommen ;) Und auf uns wartete ja noch einmal Miskolc am Abend mit Wein und 'zsiros kenyér' (Fettbrote), danach Kaffee und Strudel...


Lillafüred




TOKAJ
Mittwoch setzten wir unsere Reise Richtung Nordosten fort in das Zentrum des Tokajer Weingebietes. Das kleine Städtchen, was nun im Winter sich ohne den großen Touristenandrang ziemlich ruhig präsentierte, empfing uns trotz alledem mit viel Charme und Freundlichkeit. Mit unseren Rucksäcken auf den Rücken schlenderten wir den ganzen Tag durch die Gassen der Weinstadt, genossen das entspannte Kommen ud Gehen auf den Straßen, tankten noch mehr Sonne, entdeckten ab und zu eine Kirche oder ein grünes Plätzchen, fanden einen kleinen Shop, wo gefüllter Langos angeboten wurde, mmmmh, und probierten mal hier und da ein Gläschen Tokaji furmint, sárgamuskotály oder hárslevelű und zum Schluss natürlich den 'König der Weine und Wein der Könige', Tokaji Aszú.




Tokaj








Tokaji aszú, "a királyok borának, a borok királyának születése"


DEBRECEN
Am Abend ging es dann gleich weiter in den Osten des Landes, 50km von der rumänsichen Grenze entfernt, nach Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns. Immer noch merklich kleiner als die Hauptstadt, ist Debrecen im Gegensatz zu Miskolc doch einfach etwas 'mehr'. Am Rande der Innenstadt ragen große Einfaukscenter aus dem Boden, prunkvolle Gebäude sind häufiger und höher, Cafés und Restaurants gibt es mehr und durch die vielen jungen Leute erkennt man auch sofort den Charakter der Universitätsstadt.
Die zwei Nächte dort haben wir bei unterschiedlichen 'Hosts' verbracht, mit dem Ersten und seinem Kumpel haben wir den Abend ganz gemütlich in seinem Lieblingspub mit Dart und TableSoccer verbracht. Der nächste Morgen erwartete uns ausnahmsweise mal mit Wolken, Wind und später sogar Schnee, wodurch es am Tag sehr kalt wurde, deshalb verlagerten wir unsere Sightseeingtour größtenteils nach drinnen, sprich Kávézó, Cukrászda és Teaház ;) Das wichtigste Wahrzeichen von Debrecen ist die 'Große Kirche' im nördliche Teil der Innenstadt, ein sehr schönes Gebäude, flächenmäßig die größte reformierte Kirche Ungarns, innen sehr hell ohne viel Schnickschnack, was mir sehr zugesagt hat, und einen Kirchturm, auf den man seine 150Stufen hochstiefeln und die Stadtansicht von oben genießen konnte :)


Calvin tér


die Große Kirche




Debrecen von oben


forró csoki...


... és tea


Abendss trafen wir dann unseren zweiten CouchSurferHost, eine junge Medizinstudenten aus Lettland und gerade mit Erasmus in Debrecen. Mit ihr verbrachten wir einen ebenso gemütlichen Abend im einem nahe gelegenen Pub und schwatzten über Auslandsstudium, Reisen, Winter in Ungarn und die Vor- und Nachteile von Budapest und Debrecen.

HAJDÙSZOBOSZLÒ
Unser letztes Ziel sollte sich sehr entspannt darstellen, denn es war ein Thermalbad :) Da wir ursprünglich geplant hatten, in das berühmte Höhlenthermalbad nahe Miskolc zu gehen, dieses nur leider gerade geschlossen hatte (Nebensaison...), musste ein Alternativplan her, der noch dazu auf dem Weg lag. Und da zum Glück der Zug von Debrecen nach Budapest durch den Ort mit der größten Thermalbadanlage Ungarns führte, bot sich das sehr gut an. Ihr könnt euch nicht vostellen, wie schön es ist, nach einer Woche Stadtbesichtigungen zwischen -5° und -13°C sowie Reiserucksäcke durch die Gegend tragen, in ein angenehm temperiertes Bad von 35°-38°C zu steigen, inklusive Wasserfall- und Sprudel-'Massage'. Und das für mehrere Stunden. Dazu gab es auch noch Außenbecken, wo wir die schöne Winterluft im heißen Wasser genießen konnten. Und natürlich kam dann auch wieder die Sonne raus. Einfach nur herrlich...

Am Freitag Nachmittag fuhren wir schließlich mit dem Zug zurück nach Budapest, um unsere Ungarnreise für ein paar Tage zu 'unterbrechen'. Das bedeutet, Fortsetzung folgt bald... ;)

Bis dahin an euch alle liebe Grüße und auf diesem Weg vielen, vielen Dank für die lieben Geburtstagsglückwünsche, nagyon szépen köszönöm!


Viszontlátásra hamarosan!
Eure Katrin ^^